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Vom Verschieben der eigenen Kletter-Grenzen:

Marvin Winkler erfüllt sich den Traum von Mangarbo 9a/+

"Ich habe heute in Spanien meine bisher schwerste Route klettern können. Mangarbo 9a/+ im Klettergebiet Villanueva del Rosario in Andalusien." Fast wäre dieser kleine Satz in einer etwas längeren E-Mail von Marvin untergegangen – aber nur fast. Denn auch wenn Marvin was seine Erfolge beim Klettern betrifft eher bescheiden ist, kommt er uns so schnell nicht davon! Wir wollten mehr wissen, also haben wir ihn nach einem Erfahrungsbericht seiner Wahnsinnsleistung gefragt – und ihn bekommen! Viel Spaß beim Lesen! :)

Vom Verschieben der eigenen Kletter-Grenzen:

Der sechste Schwierigkeitsgrad galt lange Zeit als die Grenze des Menschen Machbaren. Doch geht es beim Klettern, nicht genau darum, etwas zu wagen, was zunächst unmöglich erscheint, um so die eigenen Grenzen zu verschieben?

Genauso erging es mir mit Mangarbo. Das erste Mal, dass ich mit dieser Route in Kontakt kam, war, als ich 2016 ein Video der Erstbegehung von Seb Bouin drehte. Zu dieser Zeit war ich durch die Winzigkeit der Griffe so eingeschüchtert, dass ich mich nie wirklich traute, sie zu versuchen. Innerhalb der letzten Jahre kam ich viele Male nach Villanueva del Rosario zurück, das für mich mittlerweile wie ein zweites Zuhause geworden ist und konnte dort viele meiner schwersten Routen klettern. Dennoch ging mir diese eine Route, Mangarbo, nie ganz aus dem Kopf.

Mangarbo ist eine Kombination aus zwei Routen: Mandanga (8c+) gefolgt von einem sehr schweren 7c Boulder und anschließend der obere Teil von Planta de Shiva. Im Frühling 2018 konnte ich schließlich Mandanga klettern. Diese besteht aus einer pumpigen 8b bis zu einem unbequemen No-hand-rest gefolgt von einem 7c Boulder an kleinen Leisten und Untergriffen gefolgt von einem weiteren guten No-hand-rest und einem 7b Boulder mit dynamischen Zügen. Damit ist diese Route, im Gegensatz zu den anderen Ausdauerrouten sehr boulderig und vor allem mental sehr anspruchsvoll, da man dort nicht jedes Mal ein bisschen weiterkommt, sondern immer und immer wieder an den gleichen Boulderzügen fällt (und verzweifelt).

 

"Ich habe eine große Lektion daraus gelernt: Mich nicht selbst einzuschränken und mich zu trauen, etwas zu probieren, das zuerst unmöglich erscheint." 

Im Frühling 2019 konnte ich Mandanga wiederholen und schließlich Mandanga total, meine erste 9a und eine etwas leichtere Ausstiegsvariante von Mangarbo klettern. Die Crux hierbei ist es, an dem 7b Boulder von Mandanga direkt einen weiteren 7c Boulder dran zu hängen. Dabei zieht man von einem Seitgriff auf ein 3-Fingerloch, dass man zuerst auf Schulter greift, muss nun die Füße hochbringen und mithilfe eines schlechten 2-Fingerlochs das 3-Fingerloch als Untergriff umdrehen und dynamisch an einen Seitgriff in Form eines Ohrs schnappen. Alle diese Züge müssen einfach perfekt passen, der kleinste Wackler und man befindet sich einige Meter tiefer im Seil hängend wieder. Schließlich hatte ich jedoch diesen einen Versuch, bei dem einfach alles zusammenkam: – nachdem ich in den Tagen zuvor so oft an dem Schnapper zu dem Seitgriff gefallen bin, gezweifelt habe, ob ich diese Route wirklich klettern kann, zusätzlich zu dem Druck und den Erwartungen. Schließlich lief es auf folgende 2 Sachen hinaus: Trying hard and having fun! In die richtige Denkweise zu kommen, indem man nur über den nächsten Zug nachdenkt und sich voll und ganz darauf konzentriert, war definitiv der Schlüssel zum Erfolg.

Kurze Zeit später habe ich dann Mangarbo angefangen zu projektieren. Musste jedoch feststellen, dass diese eine ganze Nummer härter ist. Hier ist nach dem ganzen schweren Teil von Mandanga total anstatt einer 7c eine pumpige 8b+ zu klettern – und das, nachdem man bereits 8c+/9a in den Knochen oder besser gesagt, den Unterarmen hat. Obwohl ich diese im Frühling nicht mehr klettern konnte, begann ich dran zu glauben, dass diese möglich sein könnte.

Der Plan, im Sommer viel zu trainieren und schließlich im Herbst stärker wieder zu kommen ging schließlich auf. Die Abschnitte fühlten sich leichter an wie zuvor und ich konnte relativ schnell Mandanga und den schweren Teil von Mandanga total wiederholen. Nach einigen spektakulären 15m Stürzen, da ich im oberen pumpigen 8b+ Teil die Flucht nach vorne antrat anstatt zu klippen (clip or climb) und nachdem ich einige Mal ganz ganz oben gefallen war, war es ein überwältigendes Gefühl, schließlich den Umlenker von Mangarbo (9a/+) zu klippen! Eine Route zu klettern, die sich am Anfang absolut unmöglich angefühlt hat und die eigenen Grenzen soweit zu verschieben war eine absolut unglaubliche Erfahrung. Und ehrlich gesagt macht es ganz schön süchtig. Projekte gibt es jedenfalls noch genug...

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