Und plötzlich war es soweit: Alpinist Martin Sieberer hat sein persönliches Projekt „by fair means“ abgeschlossen. Fußstein und Piz Badile in 23 Stunden und 23 Minuten.
Am Samstag, dem 15. August, erreichte Martin um 12:23 Uhr den Gipfel des Pizzo Badile über den Nordgrat und vollendete damit sein Projekt „Ridge2ridge“ im Alleingang. Mit seinem persönlichen Projekt stellte er einen neuen FKT (Fastest Known Time) auf. Sein Ziel war es, zwei der bekanntesten Granitwände der Alpen miteinander zu verbinden – inklusive der 273 Kilometer langen und mit rund 2.900 Höhenmetern verbundenen Radstrecke zwischen Vals und Bondo, den beiden logistischen Ausgangspunkten seines Projekts. Insgesamt bewältigte er dabei rund 6.700 Höhenmeter, einschließlich der Aufstiege über die jeweiligen Normalwege zu den beiden Graten. Eine Herausforderung, die neben großer Ausdauer vor allem mentale Stärke und ein hohes Maß an Organisation erforderte.
DIE AUFSTIEGE
Am frühen Nachmittag machte sich Martin Sieberer von der Geraer Hütte auf den Weg zum Fußstein und stieg über die Nordkante auf. Er wählte bewusst die heißeste Zeit des Tages, um den größten Andrang zu vermeiden. Die markante Route umfasst 14 Seillängen und rund 550 Klettermeter bei Schwierigkeiten bis V/V+. Gegen 15 Uhr hatte Sieberer die Wand bewältigt – über glatte Platten, stets auf der Suche nach den wenigen verlässlichen Griffen. Viel Zeit für die Dokumentation blieb nicht. Nach einigen Fotos als Beleg begann bereits der Abstieg über die Südseite. Gegen 18 Uhr erreichte er den Parkplatz bei der „Touristenrast“ – den ersten Zielpunkt und gleichzeitig den Ausgangspunkt für die nächste Etappe. Auch diese Verbindung zwischen den beiden Kletterzielen war keineswegs zu unterschätzen. Sieberer hatte geplant, Bondo kurz nach Sonnenaufgang zu erreichen. Dreizehn Stunden und fast 300 Kilometer lagen vor ihm – mitten in der Nacht, quer durch Österreich und die Schweiz.
Doch auch auf dieser Etappe lief alles nach Plan. Von Innsbruck bis Bondo wurde Martin von Max Dräger begleitet, der die Strecke ebenfalls mit dem Fahrrad zurücklegte und die gesamte Unternehmung dokumentierte. Nach Innsbruck ging es mit einem Zwischenstopp in Landeck weiter Richtung Engadin. Über St. Moritz und den Malojapass erreichten die beiden schließlich das Bergell. Die lange Fahrt ermöglichte es Martin, seine Gedanken zu ordnen und sich mental vorzubereiten. Die Verpflegung aus eigener Versorgung erwies sich allerdings als schwieriger als erwartet, und Möglichkeiten, unterwegs etwas zu essen oder zu trinken zu bekommen, waren rar.
Kurz nach 7:30 Uhr begann schließlich der Aufstieg zum Pizzo Badile. Der Nordgrat des Pizzo Badile wurde 1923 erstmals von Risch und Zürche begangen. Die rund 800 Meter lange Route weist Schwierigkeiten bis V+ auf. Fels und Charakter der Route erinnerten stark an die Kletterei am Fußstein – allerdings machte sich nun die zunehmende Ermüdung bemerkbar. Doch Sieberers Entschlossenheit war stärker als die Belastung – und auch als die Hitze an einem der heißesten Tage des Jahres. Nach einer kurzen Pause an der Capanna Sasc Furä folgte gegen 10:30 Uhr der letzte Abschnitt.
An Schwierigkeiten mangelte es auch hier nicht. Martin neigt jedoch von Natur aus und ganz bewusst dazu, diese nicht größer darzustellen, als sie tatsächlich waren. Er wollte die Fakten nicht zu einer künstlich überhöhten Heldengeschichte machen. Der finale Aufstieg dauerte knapp zwei Stunden. Um 12:23 Uhr erreichte Martin Sieberer den Gipfel des Pizzo Badile. Die größte Belohnung?
Den Gipfel ganz für sich allein genießen zu können, den Blick über das Val Masino schweifen zu lassen – und anschließend gemeinsam mit seinem Freund und seiner Freundin endlich die lang ersehnte Pizza zu genießen.










