Die unendliche Geschichte (8b) by Nemuel Feurle | AUSTRIALPIN
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Die unendliche Geschichte (8b) by Nemuel Feurle

Die unendliche Geschichte (8b) by Nemuel Feurle

Manche Geschichten sind unendlich, nicht weil sie nie enden – sondern weil sie für immer bleiben. Neun Jahre nach dem ersten Versuch kehrte Nemu zurück in die „Unendliche Geschichte“ – eine der legendärsten Mehrseillängenrouten im Rätikon. Was als Kletterprojekt begann, wurde zu einem Abenteuer voller harter Züge, schlafloser Nächte im Portaledge und unvergesslicher Momente. Denn manchmal sind es genau diese Augenblicke, die eine Geschichte wirklich unendlich machen.

Damit eine Geschichte unendlich ist, braucht es Erlebnise, welche für eine  Unendlichkeit an die Zeit erinnern. Vor neun Jahren versuchte ich, zusammen mit meinem damaligen Trainer, Mark, die berüchtigte Mehrseillängenroute „Unendliche Geschichte“. 1990 gelang Beat Kammerlander die Erstbegehung, im Jahr darauf der Rotpunkt. Mit einer Länge von 400m und einem Schwierigkeitsgrad von 8bPlus zählte sie damals zu einer der schwierigsten Mehrseillängen der Welt.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie es Mark an unserem fünften Tag in der Route gelang beide Schlüsselseillängen im Rotpunkt zu klettern. Seit diesem Tag wollte ich wieder zurück, und so kam es dass mich Lea aus Wien besuchte und wir einen Trip in den Rätikon unternahmen. Die Idee das Portaledge mitzunehmen und eine Nacht in der Wand zu verbringen begeisterte Lea auch, noch nie hatte sie soetwas gemacht. Meine Idee die Route über zwei Tage auszubouldern und dann in nächster Zeit einen Druchstiegsgo zu versuchen, kam einwenig anderst und so gelang es mir am Montag die ersten sechs Längen und damit auch beide 8b Längen durchzusteigen. Es war kurz nach Sieben, kurz überlegte ich mir mit Stirnlampe die letzten 5 Längen „raus zu pushen“ jedoch war das Angebot des warmen Schlafsacks und der Gedanke daran einen gemütlichen Abend auf dem Portaledge zu verbringen zu groß.

Mit funkelnden Augen und einem Grinsen über das ganze Gesicht kam Nemu, nach seinem Durchstieg der zweiten 8b Länge, neben mir am Portaledge an. Einfach „ Krass“, wie Nemu so schön zu sagen pflegt, war alles was ich mir in dem Moment dachte. Mir war bewusst das wir genau dafür hergekommen sind, aber es jetzt mit zu erleben und dann auch noch so schnell , war doch anders als ich es mir vorgestellt hatte. Aber genau diese Momente sind es für die ich klettern gehe, für die Freude nach einem Durchstieg, für die Zeit die man mit einander verbracht hat und für das Feuer das einem zu mehr anstichelt.

Zu dem Lied „ Viva La Vida“ von Coldplay genossen wir unser Abendbrot und freuten uns zusammen über den gelungenen Tag. Müde und in unseren Schlafsäcken eingekuschelt überkam uns der Schlaf, nur das der Durchstieg der beiden schweren Seillängen, nicht weiter ein Traum von Nemuel waren, sondern an diesem Tag  Realität wurde.

Laut Nemu war es 5:30, als er mich voller Tatendrang, mit dem selben Lied weckte. Verschlafen und müde von Gestern wollte ich zunächst meinen warmen Schlafsack nicht verlassen. Doch die Motivation meines Kletterpartners war ansteckend und so machten wir uns auf, um die restlichen Längen zu bewältigen.

Ein 24h Durchstieg wurde es um ca. 14:20 jedoch leider nicht mehr. Aber was soll ich sagen, die Aussicht von oben war atemberaubend und der Fakt das Nemu die gesamte Mehrseillänge im Rotpunkt geklettert ist, war um so schöner.

Damit findet auch diese „unendliche“ Geschichte ein Ende.

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