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Der Granitklassiker der Schweiz

Auf und ab am Westgrat des Salbitschijen

...und wieder ein Häkchen auf der To-do-Liste! Nachdem die Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 leider alle Reiseträume kurzfristig platzen ließ, konnte Team-Athletin Cathy Laflamme die gelockerten Reisebeschränkungen nutzen und sich im Juli 2020 bei guten Wetterbedingungen kurzerhand dann doch noch einen schon lang geplanten Kletter-Wunsch erfüllen: den Westgrat des Salbitschijen in der Schweiz. Wie es ihr dort ergangen ist und welche weiteren kleinen Abenteuer sie im Anschluss noch angehängt hat, hat sie uns in folgendem Reisebericht niedergeschrieben.

Der Granitklassiker der Schweiz

Das erste Mal, als ich Bilder von dem Westgrat des Salbitschijen sah, war lange bevor man überhaupt irgendetwas vom Corona-Virus gehört hatte (es fühlt sich wie eine Ewigkeit an). An diesem Tag hatte ich beim Prokrastinieren in der Arbeit zufällig Bilder davon gesehen und die steilen Granittürme, die in den Himmel ragten, haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Aber – wie es eben bei den meisten langen Routen so ist – es brauchte einige Zeit, bis der Moment des Erkletterns dann wirklich kam. Sich von der Arbeit freizunehmen, wenn das Wetter gerade passt und dann einen Partner zu finden (der sich auch freinehmen muss) ist ein Tetris-Spiel, bei dem nicht alle Teile kontrolliert werden können. So blieb die Route, zumindest meistens, bei mir im Hinterkopf und rückte erst wieder in den Vordergrund, als ich meine stetig wachsende „To-do-Liste“ plante.

2020 dann, wie die gesamte Welt wohl jetzt aus erster Hand weiß, fielen alle Pläne, diese „To-do-Liste“ anzugehen, schlagartig ins Wasser. Im Januar lasen wir Berichte von China, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass dieses Bild – massenhaft Menschen unter Quarantäne – jemals in Europa Einzug halten könnte. Im Februar wurden die ersten Fälle in Österreich bekannt und im März waren wir dann auf einmal in Heimquarantäne, arbeiteten via Zoom und diskutieren in den sozialen Medien über die moralischen Auswirkungen des Joggens. Jetzt, fast 6 Monate später, ist der Mundschutz zu einem neuen Accessoire geworden und weil das sicherlich nicht die letzten Covid-Restriktionen waren, beschlossen wir, gelockerten Reisebeschränkungen auszunutzen und für eine Woche zum Klettern in die Schweiz zu fahren. Der Salbit stand dabei weit oben auf unserer Liste.

Das beste Wetter war für die ersten paar Tage angesagt, deshalb entschlossen wir uns dazu, unser Glück nicht herauszufordern und fuhren direkt zum Salbit. Der Versuch, am ersten Tag einen einmaligen Biwak-Spot am zweiten Turm zu genießen, scheiterte kläglich, weil wir unsere Rucksäcke übermotiviert gepackt hatten, um eine luxuriöse Nacht zu verbringen – nur um dann herauszufinden, wie hart 5+ Granit mit so viel Gewicht sein kann. Nach kurzer Lagebesprechung entschieden wir, im Basislager zu übernachten und die Route an einem Tag, beginnend gleich am nächsten Morgen, zu klettern. Erleichtert, dass wir das schwere Gewicht der Rucksäcke los waren, kletterten wir verschiedenste Band-, Riss- und Offwidth-Systeme auf dem Weg zum Gipfel jedes einzelnen Turms und seilten uns dann ab zum Startpunkt des nächsten Turms – ein Muster, das wir an diesem Tag viele Male wiederholten, während der scheinbar niemals enden wollende Vorsprung uns immer aus der Ferne zuwinkte und lockte. Nach einem kompletten Tag kletterten wir den letzten Turm zu Ende und wählten die Abseilpiste zu unserem Biwak-Platz, um dort für eine weitere Nacht zu übernachten, bevor wir den Weg nach unten antraten.

Nach dem Salbit-Grat fuhren wir weiter zu den Granitwänden des Furkapasses und dann zur Route „Motorhead“ am Grimselpass, bei der man meinen könnte, die Seillängen bestünden aus blanken Platten – bis man die Route links daneben entdeckt und sieht, wie eine Platte ohne Griffe wirklich aussieht (!). Schließlich tauschten wir nach einer Woche Felsklettern die Kletterschuhe gegen Eis und Steigeisen in Grindelwald. Nach einer Nacht auf der unglaublichen Guggi-Hütte und einigen Versuchen, die Schneebedingungen zu evaluieren, kletterten wir die Route „Nollen“ auf den Mönch.

Als ich die darauffolgende Woche zurück in die Arbeit kam, wurde ich am Eingang schon mit einer Flasche Desinfektionsmittel begrüßt, einer kleinen Erinnerung daran, wie schnell die Dinge sich ändern können und wie viel Glück wir hatten, diese Woche in den Berge genießen zu können.

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