15.12.09
wetter sah heute morgen vorerst nicht so vielversprechend aus. dennoch starteten wir einen
materialtransport ins bivac polaco. in gut sechs stunden bringen wir unsere kletterausrüstung,kochzeug und etwas lebensmittel (so knappe 20 kg pro kopf) zum bivac polaco auf rund 1100m.die meereshöhe ist hier wahrlich kein problem aber der knapp 20 kilometer lange fussmarsch, vondem rund die hälfte auf gletscher und moränen zu laufen, sind geht in die beine. um 22:30 uhr erreichen wir nach 11 stunden hatscherei wieder müde el chalten und steuern direkt in die pizzeria. tagesziel erreicht ---> material deponiert ;-) !!!
16.12.09
heute ist es so richtig stürmisch. zum glück :-) , so können wir einen richtigen rasttag machen. wir verbringen die zeit mit schlafen, essen, lesen, email schreiben, karten spielen, wein trinken und rauchen und besuchen die damen von der chocolateria – wie richtiger urlaub.
17.12.09
um zehn uhr vormittags kommt hanno von eduardo mit einer guten nachricht: jungs, heute und morgen ist das wetter schön – rauf geht’s!!! so packen wir noch schnell zelt, schlafsack und isomatteund etwas lebensmittel zusammen und brechen bei gutem wetter kurz vor zwölf in richtung bivac polaco auf, dass wir dann in knapp sechs stunden erreichen. dort errichten wir unser lager, bauen das zelt auf, gönnen uns ein bier und beginnen zu kochen. mit musik im warmen schlafsack ist es auch recht gemütlich und lässt es sich leicht einschlafen.
18.12.09
in der nacht bin ich des öfteren aufgewacht, da der wind recht heftig am zelt gerüttelt hat. man konnte auch gut die schneeflocken hören, die gegen die zeltwand gepeitscht wurden. das wetter macht uns jetzt doch einen strich durch die rechnung und um 6:30 uhr brechen wir unser lager ab. kurz vor mittag erreichen wir el chalten undmachen aus dem nachmittag einen rasttag. die berge sind in wolken gehüllt und in el chalten ist es so richtig stürmisch!
21.12.09
das wetter hat, so glaube ich, langsam seinen tiefststand erreicht – kann eigentlich nur noch besser werden. bei uns ist fast schon so etwas wie ein lagerkoller bemerkbar. bei hanno ist das für mich am stärksten bemerkbar. ruhe bewahren, sage ich mir...
am nachmittag haben wir dann begonnen, karten zu spielen. das spiel nennt sich „hosa ab“ und gehört in die kategorie kampftrinken. nach kurzer unterbrechung fürs abendessen gings dann ohne rücksicht auf verluste weiter. nach 10 flaschen wein, 1 flasche wisky und mehreren bier war dann bei mir das fass voll und ich ließ mir den abend nochmals durch den kopf gehen...
29.12.09
nachdem wir unsere rucksäcke gepackt haben sind hanno, opti hannes und ich kurz nach 10:00 uhr in richtung bivac polaco im torre valley aufgebrochen, welches wir nach gut fünf stunden fussmarsch auch erreichten. die verhältnisse für eine eistour wie exocet (800m 6a/wi6) scheinen auch recht gut zu sein. einzig der viele schnee, der zum einstieg hoch führt, bereitet uns sorge. es sind aber stellenweise zustiegsspuren zu erkennen, welche uns optimistisch stimmen. um sie besser zu erkennen, steige ich mit hanno in richtung desmochada auf. der aufstieg überzeugt uns, wir entschließen uns endgültig für dieses abenteuer. hannes und opti wollen auf den della s. nach dem abendessen verkriechen wir uns um 19:00 uhr in die zelte und schlafen mit musik ein.
30.12.09
um 2:00 uhr geht der wecker und eine halbe stunde später starten hanno und ich ohne frühstück in eine sternenklare nacht. so gegen 3:30 uhr kommt uns beim ersten anstieg eine norwegische seilschaft entgegen, von denen die spuren vom vortag stammen. nach einem kurzen gespräch stellt sich heraus, dass im eiskamin recht wenig eis sein soll. hanno und ich sind trotzdem zuversichtlich und erreichen so gegen 6:00 uhr, nach rund dreieinhalb stunden zustieg, den eigentlichen einstieg der exocet.
ab hier beginnen die technischen schwierigkeiten und der erbarmungslose patagonische wind bringt die kälte vom inlandeis zu uns. nachdem ich die erste länge mit den steigeisen im verschneiten fels hochscharrte und nach oben ein weiterkommen nur schwer möglich schien, wurde mir klar, dass ich mich verstiegen hatte. musste mich mittels köpfchenschlinge und pendelquergang befreien.
nach zwei weiteren anspruchsvollen längen im verschneiten fels in wechselführung ging
es am laufenden seil schnell dahin und wir erreichten die abseilstelle von rund 15 metern. die spuren von den norwegern erwiesen sich bis hier als rechte hilfe. das klettern wurde nun angenehmer, da wir nun leeseitig und somit windgeschützt waren und uns damit auch wieder wärmer wurde.
nach drei weiteren längen im steilen schnee erreichten wir gegen 11:00 uhr den beginn des eiskamins. nachdem ich dort die erste länge schnell hinter mich gebracht habe und wir
betrachtet hatten, was uns erwartet, beschlossen wir, unsere rucksäcke am stand zurückzu
lassen und nur das notwendigste mitzunehmen. die nächsten längen waren recht anspruchsvoll, da die eisspur zum teil nur 30cm breit und der kamin, an dessen grund sich dieses eis befand, nicht mal schulterbreit war.
so rackerten sich hanno und ich die 200 meter im kamin hoch und hanno wurde zum leidtragenden, da ich in den 2 schwersten, je 60 meter langen, seillängen die führung übernahm und er unter dauerbeschuss durch herabfallende eisbrocken war, denen er nicht ausweichen konnte. anschließend eierte ich noch rund 40 meter mit den steigeisen über den zum teil leicht angezuckerten felsaufschwung, der mit drei fragwürdigen sicherungen nur spärlich abzusichern war.
so erreichte ich den ersten gipfelpilz und sicherte hanno nach. als hanno dann zu mir aufschloss und sich um den ersten pilz herum zum hauptgipfel emporarbeitete und ich ihm am laufendem seil folgte, war es 15:30 uhr. wir beschlossen unseren gipfelerfolg mit handschlag und kuss. der pilz war gut zehn meter hoch und umlaufend senkrecht bis überhängend und machte alles andere als einen soliden eindruck. wir fanden, es sei zu riskant, ihn zu besteigen und machten uns an den abstieg.
nach zwei köpfchenschlingen und drei weiteren eissanduhren, die wir anbringen mussten (dies ließ uns auf noch keine komplette begehung der exocet in dieser saison schliessen) und mehreren abseilstellen im fels gelangten wir kurz vor 19:00 uhr auf den gletscher. um 20:00 uhr waren wir dann nach rund 17,5 stunden wieder im bivac polaco, wo uns hannes und opti schon erwarteten, die selbst am della s auch erfolgreich waren. nach dem kochen und essen verkrochen wir uns sehr müde, aber glücklich (!) in unseren zelten und schliefen mit regengeprassel auf dem dach ein.